Etwas komplizierter verhält es sich mit den Ausgabeprofilen für Offset-Druckmaschinen. Genau genommen sind auch diese Profile nur Ausgabe-Korrekturprofile. Aber so einfach wie bei einem Farblaserdrucker ist die Korrektur von Farbabweichungen bei einer Bogen- oder Rollenoffsetdruckmaschine leider nicht. Die Korrektur muss hier bereits bei der Aufbereitung der Daten zum Druck erfolgen und schlägt sich in der Erstellung der Filme bzw. Druckplatten nieder.
Warum verändern sich Farben im Offsetdruck?
Die gebräuchlichsten Druckverfahren sind der Bogenoffsetdruck, der Rollenoffsetdruck, der Tiefdruck und der Zeitungsdruck. Jedes dieser Druckverfahren verwendet unterschiedliche Rasterverfahren in der Vorstufe, unterschiedliche Druckfarben und unterschiedliche Papiere. Hinzu kommen Unterschiede im maximalen Farbauftrag, in der Farbdichte (Schichtdicke der aufgetragenen Farbe), im Schwarzaufbau sowie in der Farbseparation. Diese Unterschiede führen dazu, dass gedruckte Farben in jedem Druckverfahren unterschiedlich aussehen. Farben, die im Bogendruck auf gestrichenem Papier brillant und kräftig erscheinen, lassen sich im Zeitungsdruck nicht annähernd so gut darstellen. Jedes Druckverfahren kann also einen unterschiedlich großen Farbraum oder Gamut abbilden.
Dabei müssen etliche Parameter von der Druckerei beachtet und eingehalten werden:
Druckplatten, Rastertyp (autotypisch, FM-Raster, Hybridraster), Tonwertzunahme, Druckfarbe und Druckchemie, Farbwalzen, Gummitücher, Druckmaschinen-
Konstruktion und -Alter usw.

Der Vergleich zwischen ISOcoated (1), ISOuncoated (2) und ISonewspaper (3) zeigt deutlich die sehr unterschiedlichen Größen der Farbräume.
Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom „Vielparametersystem Offsetdruck“ und „Prozessstabilität“. Wird nur ein Parameter nicht eingehalten oder im nachhinein verändert, kann das Profil Fehler aufweisen. Dies würde einen erneuten Andruck der Testform erfordern. Nachdem die Testform gedruckt wurde, wird sie mit einem Messgerät ausgemessen Dabei wird neben den Farbwerten auch das Papierweiß ermittelt. Mit einer ICC-Profilierungssoftware kann aus den Messwerten ein ICC-Profil erstellt werden (z.B. iColor Print). Dieses Profil beschreibt exakt den Gamut des Druckverfahrens. Im Profil sind alle Werte über Farbabweichungen, den Punktzuwachs, die maximale Flächendeckung, das Papierweiß etc. gespeichert. Da jede Maschine und jedes Papier sich unterschiedlich auf diese Werte auswirken, muss eine Druckerei theoretisch für jede Maschine und jedes verwendete Papier ein Profil erstellen. Auch für jedes Rasterverfahren muss ein eigenes Profil erstellt werden.

Die drei unterschiedlichen Ergebnisse ein und des selben Ausgangsbildes zeigen exemplarisch die Auswirkungen von falschen Profil-Drucksystem-Kombinationen.
Links: ISOcoated, gedruckt im Offsetdruck
Mitte: ISOcoated, gedruckt im Zeitungsdruck
Rechts: ISOnewspaper, gedruckt im Offsetdruck
Wie funktioniert die „ausgabespezifische Farbkonvertierung“?
Offset-Ausgabe-Profile kommen vor allem da zum Einsatz, wo Bilddaten vom RGB-Farbraum in den CMYK-Farbraum konvertiert werden. Dabei beeinflusst das verwendete ICC-Profil den Farbaufbau erheblich - und damit auch die spätere Qualität des gedruckten Bildes. Wenn ein RGB-Bild in den ISOcoated Bogenoffset-Farbraum konvertiert wird, dann werden damit im Bogenoffset auf gestrichenem Papier ansprechende Druckergebnisse erzielt.
Was geschieht aber, wenn das Bild stattdessen in einer Zeitung gedruckt wird? Der Bogenoffsetdruck erlaubt einen maximalen Farbauftrag von ca. 340%, der Zeitungsdruck jedoch nur von ca. 270%. Auch das in beiden Druckverfahren verwendete Papier unterscheidet sich erheblich in seiner Papierfarbe, Oberflächenstruktur und im Farbannahmeverhalten. Als Folge wird dieses Bild im Zeitungsdruck viel zu satt und dunkel erscheinen. Anders herum würde ein für den Zeitungsdruck ausgabespezifisch in CMYK konvertiertes Bild im Bogenoffset kontrastarm erscheinen.

Separationsaufbau des ISOcoated v.2 Profils (oben) im Vergleich zu ISOnewspaper (unten). Deutlich erkennt man die unterschiedlichen Kurven und den Gesamtfarbauftrag. Entsprechend werden Bilddaten für den Ausdruck angepasst und lassen sich dann auf anderen Systemen nicht mehr korrekt wiedergeben.

Die Verwendung von ausgabespezifischen ICC-Profilen ermöglicht es, Bilddaten so von RGB in CMYK zu konvertieren, dass sie in ihrem Farbaufbau optimal auf das gewünschte Druckverfahren angepasst werden. Farbabweichungen, Druckzuwachs und Papierfärbung
werden dabei berücksichtigt.
Man sollte also, bevor ein RGB-Bild in CMYK konvertiert wird, feststellen, in welchem Druckverfahren das Bild letztendlich gedruckt wird. Im Idealfall kann die Druckerei ein Profil exakt für den Druckauftrag und das dabei verwendete Papier zur Verfügung stellen. Dann können die Bilddaten „ausgabespezifisch“ in CMYK konvertier und ein optimales Druckergebnis erwartet werden.
Ist jedoch nicht klar, in welchen Druckverfahren später gedruckt wird, so ist es besser, die Druckdaten im RGB-Modus zu halten, denn daraus lassen sich alle Druckverfahren ableiten.